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Soulja Boy Tellem Banner 2007

Bio

  • 30.11.2007
    Soulja Boy Tell'Em | Soulja Boy Tell'Em Soulja Boy Tell'Em 30.11.2007 | Soulja Boy Tell'em 2007
    „Er ist ein wahres Genie, verdammt noch mal! So muss es sich angefühlt haben, Michael Jackson zu entdecken! Das ist die Art von Talent, mit der wir es hier zu tun haben.“ Eine deutliche Ansage, wie man sie vielleicht eher von einem übereifrigen Blogger erwarten würde – und eben nicht unbedingt von einer Schlüsselfigur im HipHop-Geschäft. Aber Mr. Collipark, der Autor dieser Kurzbeschreibung, der als Produzent der Ying Yang Twins bekannt geworden ist, benutzt genau diesen eindeutigen Superlativ-Tonfall, wenn man ihn auf Soulja Boy aus seiner Heimatstadt Atlanta anspricht. Klingt nach Übertreibung? Nach einem leeren Hype? Nun, hier kommt eine Tatsache: In einem Alter, im dem sich der Durchschnittsteenager mit der Verträglichkeit von unterschiedlichen Pickelcremes und mit kieferorthopädischen Eingriffen befasst, steht Soulja Boy schon bei Interscope Records unter Vertrag. Nur wie bitte hat der erst 16-jährige Rapper/Produzent den Sprung von der South Panola High School in Batesville, Mississippi, wo er einst Lehrer zur Weißglut brachte, ins luxuriöse Office von Jimmy Iovine geschafft? Am besten fangen wir noch mal ganz von vorne an...

    Soulja Boy kam als DeAndre Way in Chicago zur Welt und zog als Sechsjähriger gemeinsam mit seinen Eltern nach Atlanta. „A-Town“, heutzutage ein musikalischer Hexenkessel, begann Mitte der Neunziger so richtig zu kochen. Künstler wie OutKast, Usher, Jermaine Dupri oder auch der Goodie Mob entwickelten sich von Lokalgrößen zu nationalen und schließlich internationalen Rap-Schwergewichten, womit auch das Phänomen des Südstaaten-Rap endgültig ins Rampenlicht katapultiert wurde.

    Der damals unfassbar junge Soulja beobachtete die Entwicklungen um ihn herum und machte sich für einen ersten Vorstoß in die Musikwelt bereit – und zwar gemeinsam mit seinem damaligen Partner Young Kwon: „Er hat mir beigebracht, wie man Beats macht und Songs aufnimmt; und er hat auch die ersten Songs aufgenommen, die ich jemals gemacht habe“, erinnert sich Soulja zurück. „Außerdem hat er mir in seinem Studio alles beigebracht, was er über Snap-Produktionen wusste.“ Mit gewecktem Appetit begann Soulja, auf eigene Faust an Beats zu arbeiten, doch während es ihm keinesfalls an Zeit mangelte, fehlten ihm die nötigen Mittel für den nächsten Schritt. „Ich mochte meine Kindheit nicht, wir waren immer verdammt arm“, gibt er zu. „Als ich bei meiner Mom wohnte, war da außer mir noch mein kleiner Bruder. Wir hatten nie viel Geld. Und so gab’s auch nichts, womit man sich die Zeit hätte vertreiben können. Wir gingen einfach nur zur Schule; da war ich gut, ein Einser-Schüler. Allerdings hat die Musik meine Noten später nach unten gerissen, warum sollte ich das auch verheimlichen?!“

    Ironischerweise war die Tatsache, dass Soulja kurze Zeit später Atlanta den Rücken kehrte, äußerst prägend für den weiteren Verlauf seiner Karriere. Als er nämlich in die achte Klasse kam, zog er gemeinsam mit seinem Vater ins nahe gelegene Mississippi. „Ich zog zu meinem Vater, weil er immerhin etwas Geld hatte, er konnte für mich sorgen“, berichtet sich Soulja. „Zu der Zeit kam ich auch zum ersten Mal mit einem Computer in Kontakt. Als ich nach Mississippi zog, musste ich mich ganz schön umgewöhnen; ich musste mich auf die neue Umgebung einstellen. Allerdings war es letztendlich Glück im Unglück, denn ohne den Umzug nach Mississippi wäre ich nie an dem Punkt angekommen, an dem ich heute stehe. Wahrscheinlich hätte ich weiterhin ohne Computer gelebt, ohne Interniet, ohne Kamera, mit der ich meine Tanzschritte hätte filmen können. Rückblickend kann man sagen, dass ich die Ghetto-Attitüde in eine Gegend verpflanzt habe, in der es genügend Geld gab, um damit etwas aufzubauen. Hätten wir damals nicht zumindest ein wenig Geld gehabt, hätte niemand jemals von mir gehört.“

    Soulja betont das Internet dermaßen nachdrücklich, weil es tatsächlich alles in seinem Leben verändern sollte: Das Netz war genau die Plattform, die er benötigte, um einen ordentlichen Hype auszulösen. Zunächst arbeitete Soulja gemeinsam mit seinem Klassenkameraden Arab unter dem Namen The 30/30 Boys. Das Duo nahm ein paar Spaß-Tracks auf und stellte sie ins Netz. „Zunächst haben wir unsere Songs bei SoundClick hochgeladen, wo die User Kommentare zu deiner Musik und Bewertungen abgeben und sie auch downloaden können“, erklärt Soulja. „Das Feedback war großartig, also entschloss ich mich, meine eigene Website zu machen: www.souljaboytellem.com, mit der wollte ich noch mehr Leute erreichen.“ Mit dieser neuen Plattform als Tool, war Soulja, inzwischen mit seinem Manager Michael Sykes aka Miami Mike unterwegs, endlich in der Lage, sein ganzes Können zu präsentieren. „Ich glaube nicht mal, dass es nur um die Musik geht. Ich habe das Gefühl, dass die Leute auf meine Person abgehen“, so seine Einschätzung. „Meine Persönlichkeit kommt immer ganz stark durch, mein Style. Ich glaube, dass jemand, der einfach nur einen Song von mir hört, nicht so sehr auf meinen Sound stehen wird wie einer, der zuvor schon von mir gehört bzw. meine Performance gesehen hat. `Das ist doch Soulja Boy, das ist doch dieser Typ!´ Die Leute werden sagen, `Mann, ich will abgehen wie der Typ!´“

    Auf den ersten Blick wirkt ein derartiges Statement ganz klar wie der Beweis dafür, dass Soulja Boy eben doch noch ein Teenager ist. Mit seiner Glaubwürdigkeit hat die Selbsteinschätzung zunächst scheinbar wenig zu tun. Doch wenn man etwas genauer hinsieht, erkennt man, dass Soulja Boy noch immer ganz fest mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen steht. So bleibt er z.B. seinem alten Kollegen Arab treu, der nach wie vor sein bester Freund ist und inzwischen als Anheizer bei Auftritten fungiert. Und Mr. Collipark, der Interscope durch seine Collipark Music-Firma erst auf Soulja Boy aufmerksam gemacht hat, bestätigt diese Einschätzung. „Ein Erwachsener, der keinen Plan hat, was bei ihm eigentlich abgeht, könnte denken, dass man es hier mit einer Eintagsflieger zu tun hat. Wenn man sich dann aber mit seinem Werdegang befasst und einen Blick auf die echten Fans wirft, dann erkennt man schon sehr bald, dass wir es hier mit einem regelrechten Kult um seine Person zu tun haben. In Wirklichkeit hatte er ja noch nicht mal eine Single, als ich ihn unter Vertrag nahm. Und darum ging es auch gar nicht; es ging nicht nur um Platten. Es war sein gesamter Lifestyle: sein Kleidungsstil, seine mit seinem Namen versehene Sonnenbrille, seine Schuhe – sein ganzer Style. All das war entscheidend, und dann war da natürlich noch seine Musik, die seinen Ansatz unverwechselbar macht. Ein wichtiger Auslöser für den Hype um seine Person war dabei ohne Zweifel, dass die Kids seinen Sound als etwas betrachten, das ihnen gehört. Es ist ihr Sound – und das war schon so, als ich noch nie ein Wort von ihm gehört hatte. Als ob sie etwas haben und begreifen könnten, von dem außer ihnen keiner einen blassen Schimmer hat. Wer das nicht begreift, der wird ihn sicherlich für ein One-Hit-Wonder halten.“

    Im Jahr 2004 kehrte Soulja dann nach Atlanta zurück, wobei er das Wort Mississippi wie ein riesiges David Banner-Tattoo auf seinem Rücken trug. „In Mississippi gibt es unfassbar viele Rapper, die jeden Tag an ihrem Können arbeiten und ihren Durchbruch planen“, setzt er an. „Wenn die Leute dort nur mehr Möglichkeiten hätten, dem Rest der Welt zu zeigen, was bei ihnen geht, dann würde es vielen Jungs da draußen um einiges besser gehen. Das alles ist ein brisantes Thema, weil manche Leute behaupten, der Süden würde den HipHop zerstören, aber ich habe das Gefühl, dass der Südstaaten-HipHop etwas Neues und Anderes ist, und dass die Leute einfach nur auf dem alten Zeug hängen geblieben sind. Alles befindet sich im Wandel, und ich passe perfekt in die nächste Generation.“ Nachdem er das Netz bereits erobert hatte, fasste Soulja den Entschluss, seine Berühmtheit im nächsten Schritt zu Geld zu machen. „Als ich nach Atlanta zurückkehrte, sagte ich mir, `Ich muss meiner Mutter aus dieser Misere helfen´“, erinnert er sich. „Und dann startete ich richtig durch, was auch bedeutete, dass ich endlich Geld verdienen konnte.“ Er tat sich mit Derrick Crooms zusammen, einem Manager aus Atlanta, der auch die Karriere der Ying Yang Twins angeschoben hatte. Und kurz darauf konnte ein gerade erst 15-jähriger Soulja seinen ersten Live-Gig zelebrieren, in einem Teenager-Club in Indianapolis, Indiana. „Mein erster Auftritt war einfach nur abgefahren“, erinnert er sich. „Die Show war so Crunk-lastig, dass ich fast schon Angst hatte, ein mieses Konzert zu geben. Aber dann habe ich mich einfach zusammengerissen und die Sache durchgezogen.“ Der kurze Drei-Song-Showcase war so überzeugend, dass es gleich die nächsten Angebote regnen sollte. „Es ist unglaublich, was für ein gewiefter Geschäftsmann er schon mit seinen 16 Lenzen ist“, ergänzt Mr. Collipark. „Er weiß, was er auf der Bühne macht, schreibt seine Songs selbst, produziert die Musik im Alleingang – da wird noch viel mehr gehen!“

    Doch Collipark setzt dem noch einen drauf: „Umso mehr Zeit ich mit ihm verbringe, desto klarer wird mir, was für ein Ausnahmekünstler er eigentlich ist. Ich sehe in ihm die Zukunft, die Richtung, in die sich die Musikwelt orientieren wird. Obwohl er gerade erst in den Startlöchern steht, hat er schon jetzt alles getan, was sonst die Plattenfirmen erledigen: er hat die Songs, die Substanz, die riesige Fanbase. Dagegen sieht der Alltag im Rap-Geschäft momentan ganz anders aus: Es geht immer nur um Leute, die einen Glücksgriff landen und einen Hit abliefern, danach aber wieder in Vergessenheit geraten. Sie haben niemals die Substanz, die Soulja Boy ganz von selbst mit sich bringt. Seine Chancen, eine Million Alben zu verkaufen, sind größer, als die von vielen etablierten Künstlern. Ob wir Erwachsene seinen Ansatz verstehen oder nicht spielt dabei letztendlich sogar gar keine Rolle mehr – denn die Realität ist nun mal, dass er schon jetzt vor ausverkauften Häusern spielt, ganz ohne Unterstützung. Er spielt als Headliner in allen Ecken der USA! Er ist einfach ein unfassbar begabter Entertainer, seine Bühnenshow ist einzigartig! Seine Show kann es ehrlich gesagt mit der Show von jedem anderen Künstler aufnehmen – und er ist gerade mal 16 Jahre alt!“

    Eine Lobeshymne wie diese klingt möglicherweise nach Schönfärberei und Übertreibung; daher sollten wir vielleicht einen Blick auf die Zahlen werfen: Knapp 15 Millionen Leute haben die MySpace-Seite von Soulja Boy bislang besucht. Seine unzähligen Fans laden Tag für Tag neue YouTube-Videos hoch, auf denen sie seinen einzigartigen Tanz-Style nachahmen. Seine „Crank Dat Soulja Boy“-Hymne überhitzt schon seit Wochen die US-amerikanischen Radiofrequenzen. Und nun wird er mit dem passend betitelten „SouljaBoyTellem.com“-Album endlich sein Debüt auf Interscope Records veröffentlichen. Ebenfalls treffend gewählt ist der Künstler, den er als wichtige Motivationsquelle bezeichnet – sein Labelkollege 50 Cent nämlich. „50 Cent hat mich sehr stark inspiriert: Er hat Millionen von Alben verkauft, Filme gemacht, dazu Klamotten und ein Videospiel. Ich will all das auch, und noch mehr!“ Ganz schön dreist für einen 16-Jährigen, doch Soulja hat die nötigen Dinge bereits in die Wege geleitet. Selbst seinen Zweiflern nimmt er ganz nebenbei den Wind aus den Segeln. Fragt man ihn zum Beispiel, was ihn von anderen aufstrebenden Rappern unterscheidet, so hört er für kurze Zeit auf zu grinsen und antwortet: „Ich bin anders, mein Style ist anders, meine Themen sind anders, was ich mache, ist anders, wie ich’s mache, ist anders, wie ich alles kombiniere... Ich vermische Lustiges, Snap Music, Dance-Moves, Party-Stimmung, Ausgelassenes und Trauriges; alles wird miteinander verschmolzen.“ Was in der Tat eine absolut überzeugende Mischung ist. Fragt man dann noch einmal nach, wie er mit seinen Gegnern umgehen wird, wirkt er noch immer absolut gelassen. „Auf Skeptiker reagiere ich erst gar nicht, denn sie werden so oder so nicht lange skeptisch bleiben“, so sein deutlicher Kommentar. „Momentan fühlt sich mein Leben wie eine Fernsehserie an: Jeden Tag gibt’s eine neue Episode! Alle warten darauf, was ich wohl als nächstes mache.“ Klingt so, als hätte er uns alle schon längst durchschaut. Nicht übel für einen 16-Jährigen.

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