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Nas Eyecatcher

Bio

  • 11.07.2008
    NaS | NaS NaS 11.07.2008 | NaS Biografie
    NEW YORK, am 10. November 2006: Es gibt eine Sache, die Nasir Jones unbedingt loswerden muss: Irgendetwas stinkt bis zum Himmel, irgendetwas ist verdammt faul in der HipHop-Welt.

    Als einer der größten MCs in der Geschichte des HipHop, konnte Nas die Entwicklungen seines Genres seit geraumer Zeit mitverfolgen – angefangen mit den unschuldigen Tagen als B-Boy, den energiegeladenen Battles, dem kollegialen Verbalsport, bis hin zum heutigen Einheitsbrei, dem schier endlosen Posen-Gehabe und den kommerziellen Exzessen. Wichtiger ist jedoch: Er hat etwas über diese Entwicklung zu sagen. Im Verlauf seiner Bilderbuchkarriere – die mit dem 1994er „Illmatic“-Klassiker begann und in deren Rahmen er seither über 12 Millionen Alben verkauft hat – war (und ist!) Nas nicht nur der größte Wortschmied und Denker in seinem Genre. Er hat sich im Lauf der Jahre zu einem fast schon staatsmännischen Sprecher seiner Zunft entwickelt, ja, manche würden ihn sogar als das „Gewissen des HipHop“ bezeichnen.

    Wie unschwer aus dem Schulterschluss mit seinem Langzeit-Widersacher Jay-Z zu erkennen, der vergangenes Jahr durch sämtliche Medien ging, – ein Schulterschluss übrigens, der zu seiner Vertragsunterzeichnung bei Def Jam Recordings führte –, zählen Taten für Nas weitaus mehr als Worte: Eine Gemeinschaft ist stärker als jeder Einzelgänger, als Art von Eigenbrödler-Dasein. Laut seiner Aussage, steht schon bald der nächste Wachstumsschub für die HipHop-Welt an. Denn in Kürze wird Nas seine Rolle als Mentor und Lehrer erneut besetzen: Mit seinem am 19. Dezember erscheinenden Def Jam-Debüt, dem er den passenden Titel „Hip-Hop is Dead“ gegeben hat! Wie nicht anders zu erwarten, sind seine Mic-Skills durchweg auf den Punkt gebracht, dazu setzt er dieses Mal alles daran, die Newcomer mit ihren feuchten Ohren noch einmal zurück in die Schulbank zu verweisen. Das Fazit seiner Unterrichtsstunde? HipHop ist, so Nas, verdammt noch mal am Leben!

    „Mit dem Titel `Hip-Hop Is Dead´ will ich einfach nur unterstreichen, dass wir uns gerade in einer unglaublich heiklen Situation befinden. HipHop ist angeschlagen“, erklärte Nas vor kurzem den US-amerikanischen MTV News. „Wenn wir uns keine Gedanken machen und nichts verändern, dann werden wir untergehen wie das römische Reich! Aber lass mich das noch mal genauer erklären: HipHop ist eine Art Rom für die Hood. Ein gigantisches Reich... und ich glaube sogar, dass man mit HipHop unserem Land wieder auf die Beine helfen könnte. Wir sind unsere eigenen Politiker, unsere eigene Regierung. Und wir haben etwas zu sagen.“

    Das stellt Nas auf seinem kommenden Album von Anfang an klar. Auf dem Song „Q.B. True G“, bei dem ihm auch „Compton’s finest“ The Game aushilft, teilen sich die beiden MCs das Mikrofon über einem absolut düsteren Beat von Dr. Dre. Der jüngere Game verneigt sich dabei vor dem großen Mentor, wenn er sich daran zurückerinnert, wie er damals in der Schlange stand, um sich das „Illmatic“-Album zu kaufen. Auf dem von Nas eigenhändig produzierten „Where Are They Now“ präsentiert ein katalogartiges Klagelied über all die inzwischen verstorbenen Rapper, dieses Mal unterlegt von einem überdimensionalen Sample eines weiteren Vorläufers des HipHop: James Brown. Eine ähnliche Thematik zieht sich auch durch das von Scott Storch produzierte „Carry On Tradition“, in dem Nas Ratschläge und Warnungen austeilt. „Still Dreamin’“ hingegen ist nicht nur mit einem deftigen Soul-Beat ausgestattet, sondern auch mit einer Hook von KanYe West. Wenn schließlich auch klassische West-Coast-Klänge auf dem Album zu hören sind, darf natürlich auch ein Snoop Dogg nicht fehlen – so geben sich die MCs der beiden Küsten auf „Play On Player“ die Hand.

    Auch sind zwei Produktionen von will.i.am (von den Black Eyed Peas) auf dem kommenden Album gelandet: Zunächst das Titelstück „Hip-Hop Is Dead“, in dem er einen heftigen Rock-Beat mit Old-School-Breaks verknüpft, während der unglaublich wortgewandte Nas seinen Flow auf diesem Fundament verlötet. „Unforgettable“ zeichnet sich hingegen nicht nur durch ein von will eingeflochtenes Sam-Cooke-Sample aus, sondern auch durch einen Gastauftritt der Def-Jam-Sängerin Chrisette Michelle, wobei Nas zugleich einen Blick in zukünftige, goldene Jahre (des HipHop) und in seine eigene Vergangenheit wirft: „When was the last time you heard a true anthem/Nas, the millionaire, the mansion/When was the last time you heard your boy Nas rhyme/Never on schedule, but always on time.“ [Deutsch: „Wann hast du zuletzt eine echte Hymne gehört/Nas, der Millionär, sein Anwesen/Wann hast du zuletzt deinen Kollegen Nas am Mikrofon gehört/Nie nach Fahrplan, und doch immer pünktlich.“]

    Schließlich nimmt Nas auch mit „White Man’s Paper (War)“ (featuring Damian Marley) kein Blatt vor den Mund und präsentiert kompromisslos seine politischen Einstellungen. Über einem pochenden Bob-Marley-Sample schüttet er eine Überdosis verbales Öl ins Konflikt-Feuer seines Heimatlandes: „I get my news from that white man’s paper/So I get my views from that white man’s paper/ My people act a fool for that white man’s paper/And I don’t think it’s cool, Fuck that white man’s paper/ No books in our school cuz that white man’s paper, Is droppin’ cruise missiles on the head of our neighbors/And I’m like why?“ [Deutsch: „Meine Nachrichten lese ich in der Zeitung der Weißen/Also resultieren meine Ansichten aus der Zeitung der Weißen/Meine Leute drehen durch wegen der Zeitung der Weißen/Was ich alles andere als cool finde, scheiß auf die Zeitung der Weißen/Gibt keine Bücher in unserer Schule, weil die Zeitung der Weißen Raketen auf unsere Nachbarn abfeuert/Und ich frage mich nur: Warum?“]

    Die Sounds und Themen, die sich durch „Hip-Hop Is Dead“ ziehen, sollten für Nas-Fans jedoch keine Überraschung sein: Widerstand und Weisheit, Trauer und Hoffnung. Und doch hat sich seine Perspektive merklich gewandelt; er wirkt noch fokussierter, ist heute mit noch mehr Nachdruck unterwegs, und man kann insgesamt eine größere Dringlichkeit in seinen Texten raushören.

    „Wenn ich sage, dass HipHop tot ist, dann meine ich damit eigentlich, dass ganz Amerika am Ende ist“, erklärte Nas weiterhin. „Es gibt heutzutage keine politischen Stimmen mehr. Die Musik ist leblos. Unser ganzes Denken ist tot, unser Kommerz ist tot. Alles nur Erdenkliche ist in dieser Gesellschaft schon ausprobiert und abgehakt worden. Das ist die Sackgasse, in der wir uns als Nation befinden.“

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